Ist Oralverkehr ungesund oder gefährlich?

Auch wenn Oralverkehr eine schöne Art ist den Partner zu beglücken, sollte im Falle häufig wechselnder Partner oder auch unbekannter Partner das Thema Gesundheit nicht zu kurz kommen. Mit den Gefahren von Oralsex und möglichen Krankheiten und Infektionen setzt sich niemand gerne auseinander, doch auch wenn die Risiken gering sind, es gibt sie.

Eine der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten überhaupt, mit etwa 300.000 Neuinfektionen jedes Jahr in Deutschland (siehe Deutsches Ärzteblatt) sind Chlamydien, gammanegative Baktierien die eine erstaunliche Überlebensfähigkeit haben, sehr ansteckend sind und mit Antibiotika behandelt werden müssen. Resistenzen gibt es aber kaum, wegen der ausgeklügelten Vermehrungsstategie des Erregers muß aber teils über mehrere Wochen behandelt werden.

Chlamydien können prinzipiell, wenn auch in der Praxis sehr selten, durch Oralverkehr übertragen werden (siehe Informationsportal der BZgA) und sich in der Mundschleimhaut ansiedeln. Die Übertragungswahrscheinlichkeit ist dabei von Mann zu Frau tendenziell höher als umgekehrt. Dieser Übertragungsweg ist im Gegensatz zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr nur für einen kleinen Bruchteil der Neuinfektionen verantwortlich, auszuschließen ist das Risiko aber nicht gänzlich.

Gonokokken, die Erreger der oft als Tripper bezeichneten Gonorrhö, können bei aktiver Infektion eines Partners sehr leicht übertragen werden, selbst eine Schmierinfektion beim bloßen Berühren der eigenen Geschlechtsteile und der des Partners ist möglich. Eine Besiedlung der Mundschleimheit und Übertragung auf diesem Wege ist möglich. Im Gegensatz zu Chlamydien verläuft die Infektion nur selten unbemerkt, so daß diese Erkrankung seltener ist und primär bei sexuell stark aktiven Männern und Frauen mit sehr häufigen Partnerwechseln in kurzer Folge auftritt. Tripper kann mit Antibiotika behandelt werden, wobei der Keim gegen viele Präparate immun ist und daher meist Präparate der neusten Generation zur Therapie eingesetzt werden.

Eine Übertragung von HIV, dem Virus das für AIDS verantwortlich ist, ist beim Oralsex weitestgehend ausgeschlossen. Einzig möglicher Übertragungsweg ist, wenn Sperma oder Blut in den Mund der Partnerin oder des Partners gelangt, (siehe Informationsportal der BZgA). Belastbare oder überhaupt nachvollziehbare Statistiken, Studien oder Berichte über Infektionen mit HIV via Oralsex existieren nicht, die mögliche Übertragung stützt sich auf theoretische Berechnungen anhand der Viruslast in bestimmten Körperflüssigkeiten und Vergleich mit dem klassischen Übertragungsweg per Geschlechtsverkehr.

Ebenso kann davon ausgegangen werden, dass Candida Pilzinfektionen in aller Regel nicht auf oralem Wege übertragbar sind. Rein theoretisch ist eine indirekte Candida Infektion im Mund (Soor) möglich, bei einem gesunden Immunsystem und wenn die Mundflora nicht z.B. durch starke Antibiotikagaben geschwächt ist, dürfte hier das Risiko aber nahe Null liegen.

Insgesamt läßt sich sagen: Das Risiko der Infektion mit sexuell übertragbaren Erkrankungen ist beim Oralverkehr vielfach geringer als beim Geschlechtsverkehr, allerdings nicht auszuschließen. Bei neuen und unbekannten Partnern oder häufig wechselnden Partnern ist daher ein Schutz wie z.B. über Kondome ratsam. Gerade im Falle von sehr infektiösen Erkrankungen wie Gonorrhö besteht aber immer ein geringes Restrisiko, der beste Weg außerhalb einer langfristigen Partnerbeziehung auf Nummer sicher zu gehen ist daher ein Test beider Partner auf die gängisten sexuell übertragbaren Infektionen. In modernen Labors und bei speziellen Laborärzten ist dafür heute lediglich eine Blut- und Urinprobe nötig, was den unangenehmen Abstrich der Schleimhäute erspart. Diese finden sich in der Regel in jeder großen Stadt. Die Ergebnisse erhält man dort meist schon binnen 24 Stunden.